Ja, ihr habt richtig gelesen, ich bin wieder zurück in der kalten Schweiz. Gründe dafür gibt es einige, hier werde ich euch die wichtigsten auflisten:
Am Dienstag hatten wir von der Childline abgemacht, gemeinsam essen zu gehen. Zuvor sollten jedoch noch an die 40 Couverts mit der Adresse vom Spital beschriftet werden. Jedoch war der Stempel kaputt und eine Mitarbeiterin versuchte über eine Stunde, den Stempel zu reparieren. Als dies nicht möglich war, begann Muthumari (eine andere Mitarbeiterin) von Hand auf jedes Couvert die Adresse zu schreiben. Ich wollte ihr dabei helfen und begann in Blocksschrift die Adresse auf die Couverts zu schreiben. Nachdem ich zwei Couverts beschrieben habe, kommt die andere Mitarbeiterin in den Raum, schreit mit mich ‚oh my god’ an und reisst mir das Couvert aus der Hand. Die drei Frauen der Childline stritten während über 30min, warum genau war mir nicht klar. Angeblich könne die indische Post meine Schrift nicht lesen. Später habe ich erfahren, dass ich nicht die Arbeit von jemandem in der Childline übernehmen dürfe, da diese ansonsten ihre Stelle verlieren würden… Ich wollte ja nur helfen!
Am Montag habe ich David kennen gelernt, er ist Student am College das mit dem Spital verbunden ist. Er hat mich eingeladen, mir mittwochs das College zu zeigen und mir verschiedene Leute vorzustellen, darunter auch Kristine, eine deutsche Lehrerin die seit 20 Jahren in Madurai lebt.
Ich habe also um Erlaubnis gefragt, ob ich mit David am Nachmittag ins College gehen kann. Aber niemand hat mir erlaubt, mit ihm mitzugehen. Richards (Chef der Childline, mein direkter Verantwortlicher) meinte, ich soll die Medicalsuprenant um Erlaubnis fragen. Diese wiederum meinte, ich solle die Nursesuprenant fragen, welche mich an Dr. Dodd (Chefarzt) weiterleitete. Dodd hat aus folgenden Gründen nein gesagt:
- Es ist angeblich für die, welche im Hostel wohnen (also den beiden Räumen in denen ich schlief) nicht erlaubt einfach so unter der Woche den Campus zu verlassen. Da ich dort wohne, habe ich mich an die Regeln zu halten!
- Falls ich diese Regel verletzen würde und ohne Erlaubnis den Campus verlassen würde, würde ich rausgeschmissen und nach Trivandrum zurückgeschickt werden.
- Ich sei im Spital um etwas zu lernen und um zu arbeiten (ok, nur keine der Krankenschwestern oder eine der Frauen bei Childline spricht genug Englisch um mir zu erklären was sie machen, geschweige dann, wie ich ja gesehen habe am Tag zuvor, darf ich etwas machen!). Ich soll also weiterhin in der Childline sitzen, und den Frauen zusehen wie sie Telefongespräche in Tamil führen. Sie konnten mir nicht erklären, wer und weshalb jemand angerufen hat.
Niemand hatte in diesem Spital das Gefühl für mich verantwortlich zu sein. Es war ja nicht so, dass ich jemand brauchte der mich ständig begeleitete und sagen sollte was ich machen soll, aber wenn jemand wie David garantiert, mich wieder zurückzubringen sollte ich doch ins College gehen können.
Ich habe vier Wochen versucht, mit den Menschen dort zu sprechen. Die wenigsten sprechen Englisch, und wenn dann nur gerade so viel dass sie sich nach deinem Wohlergehen und deiner Familie erkundigen können. Meist verständigte ich mich mit Hand und Fuss. Und ich hatte gehofft, dies würde im Spital besser werden, was jedoch nicht der Fall war.
Am Mittwochabend hatte ich ein Gespräch mit Dr. Dodd. An meinem ersten Tag hatte er mir versichert, ich könne mit jedem Problem zu ihm kommen. In diesem relativ einseitigen Gespräch teilte er mir mit, er hätte die Verantwortung für mich, und ich würde keine Stunde allein auf den Strassen Madurais überleben. Warum also solle er sich das Leben schwer machen indem er mich ausserhalb des Campus gewähren liesse? Niemand würde mich zwingen, hier zu bleiben, wenn ich aber hier sei, hätte ich mich an die Regeln zu halten; das heiss: Nur sonntags und mit Begleitung und Bewilligung darf ich den Campus verlassen. Ansonsten verbringe ich meine ganze Zeit im Spital.
Unter diesen Umständen konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen noch weitere 5 Wochen im Spital zu verbringen.
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken, die mir in irgendeiner Weise geholfen haben meinen Traum, nach Indien zu reisen, zu verwirklichen. Speziell erwähnen möchte ich die Familie Amirtham, besonders Lily, welche alles in ihrer Macht stehende getan hat, damit ich mich in Indien wohl fühle, und meiner Familie & Ste, welche mich vor, während und auch jetzt nach der Reise unterstützen! Danke!
Ich werde so schnell wie möglich versuchen, Bilder von meinen vier interessanten & schönen Wochen in Indien auf dem Blogg zu veröffentlichen. Also bis später!
Wünsche allen eine schöne Adventszeit und jetzt schon mal schöne Weihnachten! Eure Selina